Mountainbike aus Carbon
Beim Carbon-MTB entscheidet nicht das Gewicht über deinen Kauf, sondern die Rahmen-Steifigkeit – hier trennt sich das Race-Hardtail vom trailtauglichen Fully.
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Mountainbikes aus Carbon im Vergleich und Test
Der Carbonrahmen selbst spart gegenüber einem vergleichbaren Alurahmen meist nur 300 bis 500 Gramm. Dass ein Carbon-Mountainbike trotzdem oft 2 bis 3 Kilo leichter ist als ein Alubike derselben Preisklasse, liegt an den Anbauteilen: Hersteller kombinieren Carbonrahmen fast immer mit leichteren Laufrädern, Gabeln und Cockpits. Genau deshalb lohnt der Blick auf die komplette Ausstattung mehr als auf das Rahmenmaterial allein.
Der zweite Punkt, den viele falsch einschätzen: Carbon ist nicht empfindlicher als Aluminium. Ein moderner Carbonrahmen hält Schlägen auf Trails problemlos stand und ermüdet im Gegensatz zu Alu nicht — Aluminium verliert über Jahre an Dauerfestigkeit, Carbonfasern nicht. Kritisch sind bei Carbon nur punktuelle Belastungen, etwa ein umfallendes Rad, das mit dem Oberrohr auf eine Bordsteinkante schlägt.
Federweg entscheidet über den Einsatzbereich, nicht der Preis
Bevor du Schaltgruppen vergleichst, klär den Federweg. Er legt fest, wofür das Bike gebaut ist — und ein Enduro mit 170 mm fährt sich auf Forstwegen so träge wie ein Race-Hardtail auf verblockten Abfahrten nervös.
- Cross-Country-Bikes haben 100 bis 120 mm Federweg und wiegen in Carbon oft unter 11 kg. Sie beschleunigen spürbar schneller, verlangen bergab aber saubere Linienwahl, weil das Fahrwerk grobe Fehler nicht schluckt.
- Trailbikes liegen bei 130 bis 150 mm und decken den größten Bereich ab — von Mittelgebirgstouren bis zu Alpentrails. Mit 12 bis 14 kg sind sie schwerer, dafür verzeihen sie deutlich mehr bei Wurzelteppichen und Stufen.
- Enduros bringen 160 bis 180 mm mit und sind auf Abfahrten mit Sprüngen und Steinfeldern ausgelegt. Bergauf zahlst du dafür: Rechne mit 14 bis 16 kg und trägerem Antritt trotz Carbonrahmen.
Beim Hardtail sparst du gegenüber einem Fully mit gleicher Ausstattung typischerweise 800 bis 1.500 Euro. Dieses Geld steckt bei Hardtails oft in besseren Komponenten — deshalb bekommst du für 2.500 Euro ein Carbon-Hardtail mit einer Schaltgruppe, die beim Fully erst ab 4.000 Euro verbaut wird.
Laufräder und Antrieb: hier versteckt sich das Gewicht
Rotierende Masse zählt doppelt. 300 Gramm weniger pro Laufrad spürst du beim Antritt deutlicher als 600 Gramm weniger am Rahmen — deshalb sind Carbon-Laufräder der wirksamste Unterschied zwischen zwei ähnlich teuren Bikes. Prüf im Datenblatt das Laufradgewicht: Systemlaufradsätze unter 1.700 Gramm gelten bei 29 Zoll als leicht, Einstiegslaufräder wiegen oft über 2.100 Gramm.
Bei der Schaltung ist 1×12 Standard: ein Kettenblatt vorne, zwölf Ritzel hinten mit Kassetten von 10–51 oder 10–52 Zähnen. Die Bandbreite von über 500 Prozent reicht für Anstiege bis 20 Prozent Steigung. Der Unterschied zwischen SRAM GX und XX1 oder Shimano SLX und XTR liegt weniger in der Funktion als im Gewicht — rund 300 bis 400 Gramm über die gesamte Gruppe, bei mehreren hundert Euro Aufpreis.
Bremsscheiben werden oft übersehen: 180 mm vorne reichen für Touren, bei langen Alpenabfahrten mit über 80 kg Fahrergewicht verhindern 200-mm-Scheiben das Überhitzen und den damit verbundenen Bremskraftverlust. Nachrüsten kostet pro Scheibe samt Adapter etwa 40 bis 60 Euro.
Was Carbon im Alltag von dir verlangt
Ein Drehmomentschlüssel ist bei Carbon Pflicht, kein Zubehör. Sattelstützenklemmen und Vorbauten haben Vorgaben von meist 5 bis 6 Newtonmetern — wer nach Gefühl anzieht, riskiert Haarrisse, die von außen unsichtbar bleiben und den Rahmen an dieser Stelle schwächen. Ein einfaches Modell mit festen Bits kostet ab 25 Euro.
Achte außerdem auf die Montageständer-Frage: Carbonrahmen dürfen nie am Ober- oder Unterrohr geklemmt werden, sondern nur an der Sattelstütze. Auch Autoträger mit Rahmenklemmung sind ein Risiko — Träger mit Aufnahme an den Laufrädern umgehen das Problem komplett.
Vergleich vor dem Kauf die Garantiebedingungen. Viele Hersteller bieten auf Carbonrahmen lebenslange Garantie für den Erstbesitzer, andere nur fünf Jahre. Interessanter ist das Crash-Replacement: Dabei bekommst du nach einem selbstverschuldeten Sturz einen Ersatzrahmen mit 30 bis 50 Prozent Rabatt. Bei Rahmenpreisen von 2.000 Euro aufwärts ist das der Unterschied von über tausend Euro im Schadensfall.
Und falls doch etwas passiert: Carbonrahmen lassen sich im Gegensatz zu Alu reparieren. Spezialisierte Werkstätten laminieren beschädigte Stellen für 300 bis 600 Euro neu — die reparierte Stelle ist danach oft stabiler als das Original, wiegt aber ein paar Gramm mehr.
Häufig gestellte Fragen – Alles, was du wissen musst
In dieser Sektion findest du Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen. Wenn du zusätzliche Informationen benötigst, zögere nicht, uns zu kontaktieren.
Worauf solltest Du bei einem Carbon-Mountainbike beim Sturz besonders achten?
Nach einem harten Sturz solltest Du Rahmen und Gabel genau auf Risse, Druckstellen und matte Stellen prüfen. Carbon kann innen beschädigt sein, auch wenn außen kaum etwas zu sehen ist. Bei Verdacht auf einen Schaden hilft nur eine fachkundige Sichtprüfung oder ein Rahmencheck beim Händler bzw. Hersteller.
Wie pflegst Du einen Carbon-Mountainbike-Rahmen richtig?
Reinige ihn mit lauwarmem Wasser, einem weichen Tuch und mildem Reiniger, damit Schmutz und Salz keine Oberfläche angreifen. Vermeide aggressive Lösungsmittel und zu hohen Druck mit dem Hochdruckreiniger an Lagerstellen und Übergängen. Wichtig ist auch das richtige Drehmoment bei Sattelstütze, Vorbau und Lenker, damit das Material nicht punktuell überlastet wird.
Sind Carbon-Mountainbikes für schwerere Fahrer geeignet?
Ja, aber nur, wenn der Hersteller das zulässige Systemgewicht angibt und Du es einhältst. Entscheidend sind nicht nur Dein Körpergewicht, sondern auch Kleidung, Rucksack und Zubehör. Prüfe außerdem die Freigaben für Laufräder, Sattelstütze und Federgabel, weil dort oft separate Limits gelten.
Lässt sich ein Carbon-Mountainbike im Alltag und bei Regen genauso nutzen wie ein Alu-Bike?
Ja, Carbon ist unempfindlich gegen Rost und kann bei Nässe problemlos gefahren werden. Für den Alltag sind vor allem die Anbauteile wichtig: Bremsen, Lager, Kette und Lagerpunkte brauchen dieselbe Pflege wie bei anderen Bikes. Bei Transport und Abstellen solltest Du den Rahmen vor harten Kanten und Scheuerstellen schützen, weil Carbon Druckbelastung schlechter verzeiht.
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