Fahrradhelme MIPS
MIPS-Helme kosten oft nur wenige Euro mehr als klassische Modelle, schützen dein Gehirn bei seitlichen Stürzen aber spürbar besser.
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Fahrradhelme mit MIPS im Vergleich und Test
Die europäische Helmnorm EN 1078 prüft nur gerade Aufpralle — der Helm fällt im Labor senkrecht auf einen Amboss. Reale Stürze laufen anders ab: In den meisten Fällen trifft der Kopf schräg auf, und dabei entstehen Rotationskräfte, die das Gehirn im Schädel verdrehen. Genau diese Lücke füllt MIPS (Multi-directional Impact Protection System): eine gelbe Gleitschicht im Helminneren, die sich beim Aufprall 10 bis 15 Millimeter relativ zur Schale bewegt und so einen Teil der Drehbewegung abfängt.
Das heißt konkret: Zwei Helme können dieselbe Norm erfüllen und sich beim schrägen Aufprall trotzdem deutlich unterscheiden. Die unabhängigen Tests der Virginia Tech University bewerten genau diesen Punkt — dort belegen MIPS-Modelle regelmäßig die vorderen Plätze, während baugleiche Helme ohne Gleitschicht mehrere Ränge dahinter landen.
Gewicht und Bauform je nach Einsatzbereich
Die MIPS-Schicht selbst wiegt nur 25 bis 45 Gramm — das Gesamtgewicht bestimmt die Helmgattung. Rennradhelme mit MIPS liegen bei 250 bis 300 Gramm, City-Helme bei 300 bis 380 Gramm, MTB-Halbschalen mit erweitertem Hinterkopfschutz bei 350 bis 450 Gramm. Ab etwa 400 Gramm spürst du den Unterschied nach zwei Stunden Fahrt im Nacken.
MTB-Helme ziehen die Schale tiefer über Hinterkopf und Schläfen, weil Stürze im Gelände häufiger seitlich oder rückwärts passieren. Für die Stadt bringt das keinen Nachteil außer etwas mehr Wärme — wer beides fährt, greift deshalb oft zur MTB-Variante mit abnehmbarem Visier.
Passform: warum MIPS-Helme anders sitzen
Die Gleitschicht liegt zwischen Polster und EPS-Schaum, dadurch fällt die Innenform mancher Modelle einen Tick enger aus als beim Schwestermodell ohne MIPS. Miss deinen Kopfumfang mit einem Maßband knapp über den Augenbrauen — die meisten Größen decken einen Bereich von 4 bis 6 Zentimetern ab, etwa 55 bis 59 cm.
Entscheidend ist das Verstellrad am Hinterkopf: Es muss den Helm so fixieren, dass er beim Kopfschütteln nicht wackelt, ohne Druckpunkte zu erzeugen. Ein Fidlock-Magnetverschluss statt eines klassischen Steckverschlusses lässt sich einhändig und mit Handschuhen schließen — bei Modellen ab etwa 80 Euro zunehmend Standard.
Zwischen Kinnriemen und Kinn passen im geschlossenen Zustand maximal zwei Finger. Sitzt der Riemen lockerer, verschiebt sich der Helm beim Aufprall, und die MIPS-Schicht kann ihre Wirkung nicht entfalten.
Belüftung, Visier und Licht im Alltag
Rennradhelme kommen auf 15 bis 25 Belüftungsöffnungen mit durchgehenden Luftkanälen — bei 25 km/h entsteht ein spürbarer Durchzug, der Schweiß schneller abtransportiert. City-Helme haben oft nur 5 bis 10 Öffnungen, dafür ein durchgehenderes Schalendesign, das bei Regen mehr abhält.
Ein integriertes Rücklicht am Verstellrad findest du bei vielen Urban-Modellen; achte auf USB-Ladung und mindestens 20 Lumen, damit es tagsüber sichtbar bleibt. Bei MTB-Helmen zählt stattdessen das verstellbare Visier: Es blendet tiefstehende Sonne ab und bietet Platz für eine Goggle.
Fährst du ein S-Pedelec mit 45 km/h, reicht ein normaler Fahrradhelm rechtlich nicht überall aus — die niederländische Norm NTA 8776 ist der einzige Standard, der für diese Geschwindigkeiten geprüft ist, und einige MIPS-Modelle tragen genau diese Zertifizierung.
Haltbarkeit und der Punkt, den fast alle übersehen
Ein Helm ist nach jedem Sturz mit Kopfkontakt Sondermüll — auch ohne sichtbaren Riss. Der EPS-Schaum verdichtet sich beim Aufprall irreversibel und dämpft beim zweiten Mal deutlich schlechter. Hersteller wie Bell, Giro oder Abus bieten teilweise Crash-Replacement-Programme mit 30 bis 50 Prozent Rabatt auf den Ersatzhelm an.
Auch ohne Sturz altert das Material: UV-Strahlung und Temperaturschwankungen machen den Schaum spröde, nach 5 bis 7 Jahren empfehlen die Hersteller den Austausch. Das Produktionsdatum steht auf einem Aufkleber im Helminneren — beim Kauf lohnt der Blick darauf, denn Lagerware kann bereits zwei Jahre alt sein.
Der Aufpreis für MIPS gegenüber dem baugleichen Modell ohne Gleitschicht liegt meist bei 20 bis 30 Euro. Gemessen daran, dass die Schicht genau die Aufprallart adressiert, die bei realen Fahrradstürzen am häufigsten vorkommt, ist das der günstigste Sicherheitsgewinn im ganzen Datenblatt.
Häufig gestellte Fragen – Alles, was du wissen musst
In dieser Sektion findest du Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen. Wenn du zusätzliche Informationen benötigst, zögere nicht, uns zu kontaktieren.
Was bringt MIPS bei Fahrradhelmen wirklich?
MIPS kann die Rotationskräfte reduzieren, die bei einem schrägen Aufprall auf dein Gehirn wirken. Dafür sitzt im Helm eine bewegliche Gleitschicht, die sich beim Unfall leicht verdrehen kann. Das ersetzt keine gute Passform, ergänzt aber den Schutz sinnvoll.
Wie muss ein MIPS-Fahrradhelm sitzen, damit er sicher schützt?
Der Helm sollte waagerecht auf dem Kopf sitzen und weder drücken noch wackeln. Der Kinnriemen muss so eingestellt sein, dass du noch einen Finger zwischen Gurt und Kinn bekommst. Achte außerdem darauf, dass das Verstellsystem den Helm gleichmäßig um den Kopf zieht.
Woran erkennst Du einen passenden Fahrradhelm mit MIPS für Deinen Einsatz?
Für Alltag und Touren sind gute Belüftung, geringes Gewicht und ein gut einstellbares Verstellsystem wichtig. Für E-Bike-, Gravel- oder Rennrad-Einsatz lohnt sich zudem ein Blick auf die Helmschale, das Visier und die Abdeckung im Hinterkopfbereich. So passt der Helm besser zu Deiner Fahrweise und dem gewünschten Schutzbereich.
Wann solltest Du einen Fahrradhelm mit MIPS austauschen?
Nach einem Sturz solltest Du den Helm austauschen, auch wenn außen kaum Schäden zu sehen sind. Das Material im Inneren kann bereits beeinträchtigt sein und den Schutz nicht mehr zuverlässig leisten. Ohne Unfall empfiehlt sich ein Wechsel meist nach einigen Jahren, weil Schaum, Gurt und Verschlüsse altern.
Sind Fahrradhelme mit MIPS mit jeder Brille und jedem Zubehör kompatibel?
Meist ja, aber nicht immer gleich gut. Achte darauf, dass Bügelbrille, Regenhaube, Licht oder Kamerahalterung den Sitz nicht beeinflussen und die Belüftung nicht blockieren. Bei engen Helmformen kann eine Probe mit Deiner Brille sinnvoll sein, damit nichts drückt oder verrutscht.
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